Ein Flachkabel ist schnell verlegt, wenn die Vorbereitung stimmt. Der große Vorteil gegenüber dem runden NYM-J: Es braucht nur einen etwa halb so breiten Schlitz. Das spart Fräs- und Stemmarbeit, Staub und Putz – und damit Arbeitszeit, den teuersten Teil jeder Elektroinstallation. Hier lesen Sie, worauf es von der Planung bis zum Verputzen ankommt.
Wichtig: Arbeiten an der Elektroinstallation darf in Deutschland nur eine Elektrofachkraft ausführen. Vorbereitende Arbeiten wie Schlitze fräsen oder Leitungen einlegen können Sie oft in Absprache mit Ihrem Elektriker übernehmen. Vor jeder Arbeit: Stromkreis abschalten und gegen Wiedereinschalten sichern.
1. Leitungsweg planen: Installationszonen beachten
Leitungen in Wänden werden nicht beliebig verlegt, sondern in festen Installationszonen nach DIN 18015-3. So weiß später jeder, wo er nicht bohren sollte. Die Leitungen laufen waagerecht oder senkrecht, nie schräg.
| Zone | Lage | Breite |
|---|---|---|
| Obere waagerechte Zone | 15–45 cm unter der Decke | 30 cm |
| Untere waagerechte Zone | 15–45 cm über dem fertigen Fußboden | 30 cm |
| Mittlere waagerechte Zone (z. B. Küche) | 100–130 cm über dem fertigen Fußboden | 30 cm |
| Senkrechte Zone an Türen und Fenstern | 10–30 cm neben der Rohbaukante | 20 cm |
| Senkrechte Zone an Raumecken | 10–30 cm neben der Ecke | 20 cm |
Schalter und Steckdosen liegen idealerweise in diesen Zonen; die Leitung führt dann senkrecht von der Zone zur Dose.
2. Schlitz fräsen – schmal statt breit
Die Maße unseres Flachkabels: ca. 10 × 5 mm (3×1,5 mm²) und ca. 11 × 6 mm (3×2,5 mm²). Daraus ergeben sich zwei übliche Varianten:
- Hochkant im schmalen Schlitz: Der Schlitz ist nur etwa so breit wie das Kabel dick ist (ca. 5–6 mm) und so tief, dass das Kabel vollständig darin verschwindet. Ideal mit einer Mauernutfräse.
- Flach in einer flachen Nut: Die Nut ist etwas breiter als das Kabel und nur wenige Millimeter tief. Das ist sinnvoll, wenn ohnehin neu verputzt wird.
Arbeiten Sie mit einer Mauernutfräse mit Absaugung statt mit Hammer und Meißel: sauberere Kanten, weniger Staub und weniger Putzausbesserung.
In tragenden Wänden sind Tiefe, Länge und Lage von Schlitzen begrenzt (DIN EN 1996-1-1 mit nationalem Anhang). Waagerechte Schlitze sind besonders kritisch. Im Zweifel fragen Sie vor dem Fräsen einen Statiker. Genau hier spielt das Flachkabel seinen Vorteil aus: Der Schlitz bleibt klein.
3. Kabel einlegen und befestigen
- Abrollen ohne Verdrehen: Den Ring abrollen, nicht seitlich abziehen – sonst verdreht sich das Kabel.
- Nicht knicken: Biegen Sie das Kabel in sanften Bögen. Als Richtwert gilt mindestens das Vierfache der Kabeldicke als Biegeradius, also etwa 2–2,5 cm.
- Befestigen: Üblich sind kleine Punkte aus Schnellgips (Ansetzbinder) in kurzen Abständen. Alternativ Kabelschellen, die zur Leitung passen. Nägel dürfen den Mantel nie durchdringen oder quetschen.
- Bei Kälte: PVC wird bei niedrigen Temperaturen steif. Lagern Sie den Ring vor dem Verlegen einige Stunden im Warmen.
4. In die Dose führen
Führen Sie den Mantel bis in die Schalter- oder Abzweigdose und lassen Sie ausreichend Leitungsreserve für den Anschluss. Entmantelt wird erst in der Dose. Die Adern: braun (Außenleiter L), blau (Neutralleiter N), grün-gelb (Schutzleiter PE).
5. Dokumentieren, prüfen lassen, verputzen
- Fotografieren Sie jede Wand mit Zollstock, bevor verputzt wird. Später wissen Sie genau, wo die Leitungen liegen.
- Lassen Sie die Leitungen vor dem Verputzen von Ihrer Elektrofachkraft abnehmen. Vor der Inbetriebnahme prüft sie die Anlage nach DIN VDE 0100-600.
- Erst dann den Schlitz verschließen bzw. die Wand verputzen. Das Kabel muss vollständig vom Putz bedeckt sein.
Wo Flachkabel nicht hingehört
- Nicht in die Erde und nicht in direktes Sonnenlicht (UV).
- Nicht für bewegliche Anschlüsse, Verlängerungen oder Gerätezuleitungen – es ist eine starre Installationsleitung.
- Nicht direkt in Rüttel- oder Stampfbeton.
Häufige Fragen
Kann ich Flachkabel ohne Schlitz direkt einputzen?
Ja, wenn die Putzschicht das Kabel vollständig und ausreichend dick bedeckt. Eine dünne Spachtelschicht reicht nicht. Die Leitung muss außerdem in den Installationszonen liegen.
Welcher Querschnitt für Steckdosen?
Für normale Steckdosenkreise ist meist 3×1,5 mm² üblich, bei langen Leitungswegen oder leistungsstarken Geräten 3×2,5 mm². Mehr dazu in unserem Ratgeber 3×1,5 oder 3×2,5 mm²?.
Warum Flachkabel statt NYM-J?
Beide sind feste Installationsleitungen, aber das Flachkabel braucht den kleineren Schlitz. Der Vergleich in Zahlen: Flachkabel statt NYM-J.
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